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Mussa Muratalijew. Der Zuzügler

Zum ersten Mal ist der siebenjährige Asamat aus dem Ail, dem kirgisischen Dorf, in die Stadt Bischkek gekommen, wo er die russische Schule besuchen soll. Damit sich der Junge an die neue Situation gewöhnt, hat ihn der Vater eigens zwei Wochen vor Schulbeginn hierher gebracht. Seither wohnt er bei seiner Ene, der Großmutter Bübü.
Vor den Fenstern ihres Hauses ist eine Trolleybus-Haltestelle. Dort stehen immer viele Menschen. Gestern hat Großmutter Bübü gesagt, daß sich die Städter auf der Straße nicht begrüßen, wie es im Ail Brauch ist. Und sie kennen einander meist nicht. Asamat steht am Fenster und beobachtet verwundert die Städter, die sich an der Haltestelle sammeln. Sie sprechen nur Russisch.
»Ene, vielleicht sollte ich nicht in die Schule gehen?« fragt der Junge mit dunkel gewordenen Augen.
»Was soll denn das?«, antwortet die alte Bübü. »Bist du in die Stadt gekommen, um Familienknecht zu werden und lebenslang Reisig zu sammeln?«
Asamat stellt sich vor, wie er mit einem Reisigbündel auf dem Rücken aus dem Trolleybus steigt, und lacht fröhlich auf. »Das ist unmöglich«, sagt er, »lieber will ich für dich sorgen.« »Du mein Ernährer.« Die alte Bübü blickt dankbar auf den Enkel. Auch ihr älterer Sohn, der jetzt in einem fernen Gebirgs-Ail lebt, hat einst so zu ihr gesprochen. Damals wußte Bübü noch nicht, wie schnell die Jahre verfliegen, und dachte nicht, daß sie im Alter dennoch einsam bleiben würde. Der Staat hat ihr eine Rente zugesprochen, und der jüngere Sohn hat der Mutter seine Wohnung überlassen, als er eine Arbeit in Rußland aufnahm. »Die Kinder des älteren Bruders werden hierher in die Stadt kommen, um die Schule zu besuchen.« Seither lebt Bübü in Bischkek. Die Stadt hat ihre eigene Ordnung, an die sie sich bis heute nicht gewöhnen kann.

Der Zuzugler

Neues Deutschland 18./19. Oktober 1997

Musa Murataliev. The Lucky Hunter

Once there lived a lone young gerfalcon, unknown to any; he was still very young.

КречетHis mother had only just pushed him out of the nest sending him off on his first flight; but as soon as he had reached the branch of a pine near-by he felt himself completely strange to the whole world above and around him. Meanwhile the hen falcon was trying to eject her second fledgling, but this one re-sisted stubbornly. The father ruffled his feathers, sitting on the woven twigs at the edge of the nest, stern but indifferent. The young bird could see and hear the struggle going on between his mother and brother. He wanted to go home to the nest but held back, ruffling like his father. Because anyway the hen bird would not let him near, she would fly out and drive him further away.

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