Архив рубрики: Проза

Mussa Muratalijew. Die Überfahrt

Scharipa richtete wie immer zuerst ihren Eltern die Betten her und dann sich selbst neben dem kleinen Bruder Mursa. Die Mutter schloß zur Nacht die Rauchöffnung, zog den Eingang von allen Seiten fest zu und blies die Flamme in der Petroleumlampe aus. Bald darauf versank die Jurte in tiefen Schlaf.
Nur Scharipa konnte und konnte nicht einschlafen. Quälende Gedanken gingen ihr durch den Kopf, so wie schon in der vorigen, in der vorvorigen und viele Nächte zuvor.
Tagsüber ließ sie sich von diesen freudlosen Gedanken nicht überwältigen. Ja, es blieb auch keine Zeit zum Traurigsein: Die Kuh mußte gemolken, die Milch geseiht, die Schafe auf die Weide getrieben, Wasser geholt werden, und der Fluß lag nicht gerade nahe von der Jurte. Und dann mit Mursa spielen, mit ihm herumtollen. Die Mutter ist sehr krank, ihre Kräfte reichen nur noch, die Wolle auszukämmen und Socken oder warme Unterhemden zu stricken. Die ganze Hauswirtschaft hat Scharipa zu besorgen, die Plackerei nimmt kein Ende. Wann soll sie da noch an sich selbst denken?
Doch nachts, sich allein überlassen, wußte Scharipa nicht, wohin mit ihrem Kummer. Zum Heiraten war sie längst alt genug. Alle ihre Freundinnen hatten schon eigene Familien, zogen ein oder zwei Kinder groß, saßen am Abend mit ihren Männern zusammen, küßten, umarmten sie, gaben ihnen den Ehrenplatz, setzten ihnen ein wohlschmeckendes Abendbrot vor, fragten nach ihrem Arbeitstag und erzählten selbst von häuslichen Sorgen. Und wenn es Nacht wird, bereiten sie das Bett für zwei. Scharipa drückte die Augen fest zu. Warum, warum nur bleibt ihr das alles versagt? Sie ist doch nicht dumm und nicht häßlich. . . So wie alle ihre gleichaltrigen Freundinnen, mit denen sie zusammen zur Schule ging. Die sind schon lange verheiratete Frauen,
und nur sie allein hat, wie man im Volk sagt, den roten Faden noch nicht überschritten.

Die Ueberfahrt _UTF8_

Sowjet-Literatur (SL) 1978/12

Mussa Muratalijew. Der Zuzügler

Zum ersten Mal ist der siebenjährige Asamat aus dem Ail, dem kirgisischen Dorf, in die Stadt Bischkek gekommen, wo er die russische Schule besuchen soll. Damit sich der Junge an die neue Situation gewöhnt, hat ihn der Vater eigens zwei Wochen vor Schulbeginn hierher gebracht. Seither wohnt er bei seiner Ene, der Großmutter Bübü.
Vor den Fenstern ihres Hauses ist eine Trolleybus-Haltestelle. Dort stehen immer viele Menschen. Gestern hat Großmutter Bübü gesagt, daß sich die Städter auf der Straße nicht begrüßen, wie es im Ail Brauch ist. Und sie kennen einander meist nicht. Asamat steht am Fenster und beobachtet verwundert die Städter, die sich an der Haltestelle sammeln. Sie sprechen nur Russisch.
»Ene, vielleicht sollte ich nicht in die Schule gehen?« fragt der Junge mit dunkel gewordenen Augen.
»Was soll denn das?«, antwortet die alte Bübü. »Bist du in die Stadt gekommen, um Familienknecht zu werden und lebenslang Reisig zu sammeln?«
Asamat stellt sich vor, wie er mit einem Reisigbündel auf dem Rücken aus dem Trolleybus steigt, und lacht fröhlich auf. »Das ist unmöglich«, sagt er, »lieber will ich für dich sorgen.« »Du mein Ernährer.« Die alte Bübü blickt dankbar auf den Enkel. Auch ihr älterer Sohn, der jetzt in einem fernen Gebirgs-Ail lebt, hat einst so zu ihr gesprochen. Damals wußte Bübü noch nicht, wie schnell die Jahre verfliegen, und dachte nicht, daß sie im Alter dennoch einsam bleiben würde. Der Staat hat ihr eine Rente zugesprochen, und der jüngere Sohn hat der Mutter seine Wohnung überlassen, als er eine Arbeit in Rußland aufnahm. »Die Kinder des älteren Bruders werden hierher in die Stadt kommen, um die Schule zu besuchen.« Seither lebt Bübü in Bischkek. Die Stadt hat ihre eigene Ordnung, an die sie sich bis heute nicht gewöhnen kann.

Der Zuzugler

Neues Deutschland 18./19. Oktober 1997

Musa Murataliev. The Lucky Hunter

Once there lived a lone young gerfalcon, unknown to any; he was still very young.

КречетHis mother had only just pushed him out of the nest sending him off on his first flight; but as soon as he had reached the branch of a pine near-by he felt himself completely strange to the whole world above and around him. Meanwhile the hen falcon was trying to eject her second fledgling, but this one re-sisted stubbornly. The father ruffled his feathers, sitting on the woven twigs at the edge of the nest, stern but indifferent. The young bird could see and hear the struggle going on between his mother and brother. He wanted to go home to the nest but held back, ruffling like his father. Because anyway the hen bird would not let him near, she would fly out and drive him further away.

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Арбак

Всевидящий призрак предков, Арбак, витал высоко над облаками, он находился вблизи разросшегося платана. Как всегда он осматривал древний платан со всех сторон, облетая его с востока на запад, а потом обратно. Могучий чинар, гордо распластав окутанные туманом ветви, будто наслаждаясь жизнью, одиноко возвышался на краю безымянного ущелья. Он, сбавив скорость своего полета, в сопровождении легкого ветерка, взял курс на сто тридцать пятую ветку, что с восточной стороны, и, достигнув её, опустился на её гладкий серый ствол. Тот хранил чуть ощутимое тепло и еле уловимый знакомый благоухающий запах. Арбак узнал по знакомому запаху, что с этого места только что снялся призрак Бека, который приходился ему внуком в сорока сороковом колене. Туман окутывал взор со всех сторон, однако, всмотревшись, внутренним зрением, Арбак обнаружил летящий призрак Бека над пристройкой к старому дому, примерно полдня ходьбы человеческим шагом отсюда. Левая лапка прижата была к груди некрепко, поэтому Арбаку он показался нездоровым. Поглядев на край сто тридцать пятой ветки, он заметил там выцветший до неузнаваемости, размером с ладонь серый лоскуток, который у киргизов принято называть малаам — священная ленточка.
— Её привязали в день рождения Бека в честь его мючел –совершеннолетия … – вслух произнес Арбак и добавил, – он любит повторять «Хочу, хочу…».
— А чего ты хочешь? – спросят взрослые.
— Быть человеком.
— Ты же человек.
— Это вы человеки, а я – нет, – притом Бек говорит не «люди», а «человеки».
— Мы, человеки, тебя не понимаем, чего ты хочешь?
— Вырастить сына.
— А потом?
— Посадить дерево.
— Ах, сорванец! Это же слова деда, ты же их присвоил себе?
— Они мои!
— Ладно, они временно твои, – соглашается один из его дядей. – Ещё что ты хочешь?
— А потом прошагать через множество гор и перевалов и оказаться на краю земли.
Так заканчивается диалог их, что называется, на краю земли и Бек потом оттуда возвращается на родную Чештюбе.